
Die Vielfalt der Partnerschaft
Die Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda umfasst zahlreiche Projekte, die in enger Zusammenarbeit mit lokalen Partner*innen entwickelt und umgesetzt werden. Ziel ist es, nachhaltige Strukturen zu schaffen und den Austausch zwischen den beiden Ländern zu fördern. Die Projekte orientieren sich an den Bedürfnissen der ruandischen Bevölkerung und folgen dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe. Seit Beginn der Partnerschaft wurden über 2.200 Projekte mit einem Gesamtvolumen von rund 70 Millionen Euro realisiert.
Die Umsetzung erfolgt in enger Kooperation mit dem Koordinationsbüro in Kigali, dem Partnerschaftsverein Rheinland-Pfalz/Ruanda e.V. und dem Ruandareferat der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz, um sicherzustellen, dass die Projekte sowohl lokal relevant als auch langfristig wirksam sind.
Im Rahmen der Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda werden Schulen gezielt unterstützt, um die Lernbedingungen zu verbessern und die soziale Entwicklung der Schüler*innen zu fördern.
Zu den typischen Maßnahmen gehören bauliche Projekte wie der Neubau und die Renovierung von Klassenzimmern, um überfüllte Räume zu entlasten und eine lernfördernde Umgebung zu schaffen. Zudem werden Regenzisternen zur Verbesserung der Wasserversorgung und Latrinenblöcke zur Förderung der Hygienestandards errichtet. Darüber hinaus erhalten Schulen technische Ausstattung wie Computer und Science-Kits, die den naturwissenschaftlichen Unterricht praxisnäher und anschaulicher gestalten.
Um den Folgen von Mangelernährung entgegenzuwirken, werden Ernährungsprogramme gefördert. Eltern sowie Schüler*innen bewirtschaften gemeinsam Schulgärten, deren Erträge für das Schulessen genutzt werden. Dies trägt nicht nur zur Verbesserung der Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Kinder bei, sondern fördert auch ihre regelmäßige Teilnahme am Unterricht.

Ein schönes Beispiel für den Austausch sind die sogenannten „Malgespräche“, die eine vereinfachte Form der Kommunikation zwischen deutschen und ruandischen Grundschulen ermöglichen. Da Kinder beider Länder meist nur geringe Englischkenntnisse haben, erfolgt der Austausch über Bilder zu Themen wie Alltagsleben, Zukunftsträume und Vorstellungen vom jeweils anderen Land. Die entstandenen Zeichnungen werden an die Partnerschule geschickt und bieten einen interessanten Einblick in die Lebenswelt der Kinder.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der frühkindlichen Förderung, die in Ruanda zwar noch nicht weit verbreitet ist, aber zunehmend an Bedeutung gewinnt. Während in Deutschland ein gesetzlicher Anspruch auf einen KiTa-Platz besteht, mangelte es in Ruanda früher oft an entsprechenden Strukturen. Im Sektor Kirehe wurde daher ein Projekt ins Leben gerufen, bei dem zwanzig Frauen in einem zweiwöchigen Training zu Vermittlerinnen ausgebildet wurden. Diese sensibilisieren ihre Gemeinden für altersgerechte Betreuung und unterstützen den Aufbau entsprechender Einrichtungen.
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Berufsbildende Schulen sind zentrale Einrichtungen zur Vermittlung praktischer Fähigkeiten und beruflicher Orientierung. Im Rahmen der Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda werden sie gezielt unterstützt, um jungen Menschen bessere Ausbildungsbedingungen zu bieten.
Zu den Maßnahmen gehören der Bau zusätzlicher Werkstätten, in denen handwerkliche Fertigkeiten wie Schneidern, Tischlern oder Metallarbeiten vermittelt werden. Auch die Bereitstellung von Materialien für die jeweiligen Ausbildungszweige wird unterstützt. Ergänzend werden Regenzisternen und sanitäre Anlagen errichtet, die die Infrastruktur der Schulen verbessern und den Lernort insgesamt aufwerten.
Durch diese gezielte Förderung erhalten mehr Schüler*innen die Möglichkeit, eine praxisnahe Ausbildung zu absolvieren und ihre beruflichen Perspektiven nachhaltig zu erweitern.

Die Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda engagiert sich aktiv für die Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung und die Förderung inklusiver Strukturen. Dabei liegt der Fokus nicht nur auf einzelnen Projekten, sondern auch auf einer langfristigen Wirkung und gesellschaftlicher Sensibilisierung.
Gesundheitsstationen erhalten gezielte Unterstützung, beispielsweise durch die Bereitstellung von Krankenwagen oder medizinischer Ausstattung durch Partnerorganisationen. Darüber hinaus gibt es Initiativen zum Ausbau und zur Renovierung von Einrichtungen für Menschen mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen. Neben dem Bau von Schlafräumen, Klassenzimmern, Regenzisternen und barrierefreien Toiletten bestehen jedoch weiterhin große Herausforderungen, insbesondere bei den laufenden Kosten für Medikamente und Arztbesuche.

Ein Beispiel für gezielte Inklusionsförderung bildet das SUGIRA-Netzwerk, das 2016 unter dem Dach der Jumelage gegründet wurde. Es vereint 18 Zentren, die sich um Kinder mit Beeinträchtigungen in Ruanda kümmern. Das Netzwerk fördert nicht nur den Austausch und die Kooperation mit ähnlichen Institutionen in Rheinland-Pfalz, sondern hat auch das Ziel, die Inklusion und das Dienstleistungsangebot für Menschen mit Einschränkungen in Ruanda zu stärken.
Um die Mitarbeiter*innen von SUGIRA mit mehr qualifiziertem Wissen zu unterstützen, hat die Partnerschaft Rheinland-Pfalz im Sommer 2019 ein Capacity-Building-Programm ins Leben gerufen. In verschiedenen Trainings wurden Themen behandelt, die das Fachwissen der Mitarbeitenden erweitern und die Inklusionsarbeit in Ruanda weiter voranbringen.
Trotz dieser Fortschritte bleibt Inklusion in Ruanda ein gesellschaftlich noch wenig beachtetes Thema. Die Partnerschaft setzt sich dafür ein, Inklusion als Selbstverständlichkeit zu etablieren – besonders in Schulen, die bislang häufig nicht inklusiv ausgerichtet sin
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Ein zentraler Bestandteil der Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda ist die Förderung einkommensschaffender Initiativen, die auf dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe basieren. Das Ziel ist, die wirtschaftliche Selbstständigkeit einkommensschwacher Familien zu stärken und ihnen langfristige Perspektiven zu eröffnen.
In verschiedenen Regionen Ruandas wurden im Rahmen der Zusammenarbeit Viehzuchtprojekte initiiert. Familien erhalten Kleintiere wie Ziegen oder Schweine, mit denen sie sich selbst versorgen und durch den Verkauf von Tieren oder Produkten ein eigenes Einkommen erzielen können. Zusätzlich werden Materialien für handwerkliche Tätigkeiten bereitgestellt – wie Nähmaschinen, Backutensilien oder Werkzeuge für die Herstellung einfacher Produkte. So wird eine lokale Einkommensquelle geschaffen, die zur Stabilisierung des Haushalts beiträgt.
Diese Initiativen stärken das Vertrauen der Teilnehmenden in ihre eigenen Fähigkeiten und leisten einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung von Armut sowie zur Förderung der wirtschaftlichen Mitgestaltung.

Sport hat das Potenzial, individuelle Stärken zu fördern, soziale Bindungen zu schaffen und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen – unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder persönlichen Voraussetzungen. In der Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda wird Sport daher nicht nur als Freizeitangebot, sondern als wichtiges Instrument für soziale Entwicklung und Gleichberechtigung betrachtet.
Trotz beachtlicher Fortschritte bei der Gleichstellung der Geschlechter sind insbesondere junge Frauen in ländlichen Regionen Ruandas weiterhin benachteiligt. Familiäre Verpflichtungen und begrenzte Perspektiven schränken ihre Entwicklungsmöglichkeiten oft ein. Um dem entgegenzuwirken, setzt die Partnerschaft auf Empowerment-Maßnahmen, die Frauen den Weg in ein selbstbestimmtes Leben erleichtern sollen. Sport spielt dabei eine Schlüsselrolle, indem er als Teil kultureller Bildung zur persönlichen Entwicklung beiträgt. Das Erlernen neuer Fähigkeiten fördert nicht nur das Selbstvertrauen, sondern stärkt auch das Gemeinschaftsgefühl und den Anspruch auf Gleichberechtigung.
Ein herausragendes Beispiel ist der 2008 im Rahmen der Partnerschaft zwischen Rambura und Holzheim gegründete Frauenfußballclub Rambura WFC. Die Mannschaft schaffte es bis in die erste ruandische Nationalliga – ein außergewöhnlicher Erfolg für ein Team aus einer ländlichen Region. Ein weiteres Projektbeispiel ist „Sports4Peace“, bei dem Lehrkräfte darin geschult wurden, Sport gezielt als Mittel zur Konfliktbewältigung im Unterricht einzusetzen.
Sport ist für alle da – für jedes Geschlecht, jede Altersgruppe und jede Lebensrealität. Er schafft Verbindungen, fördert Gleichberechtigung und bietet einen Raum für Begegnung, Respekt und Zusammenhalt.
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Um die langfristige Wirkung unserer Projekte zu sichern, setzen wir auf gezielte Schulungen und Fortbildungen. Diese stärken die Kompetenzen unserer Partner im Umgang mit neuen Technologien, begleiten Umstellungsprozesse und fördern nachhaltige Nutzung durch Finanzierungs- und Businesspläne. Ergänzend qualifizieren wir Fachkräfte insbesondere im sozialen, schulischen und kommunalen Bereich, um professionelle Strukturen dauerhaft zu verankern.
Soziale Nachhaltigkeit ist ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit. Wir stärken lokale Strukturen, fördern Teilhabe und unterstützen den Aufbau stabiler Gemeinschaften und Netzwerke. Durch Kompetenzaufbau, Austausch und die enge Einbindung unserer Partner entsteht ein gemeinsames Verständnis, das über die Projektlaufzeit hinaus wirkt und soziale Entwicklung nachhaltig fördert.
Auch ökologische Nachhaltigkeit gewinnt zunehmend an Bedeutung. Wir fördern ressourcenschonende, lokal angepasste Lösungen, sensibilisieren für nachhaltige Ressourcennutzung und binden lokale Akteure in Maßnahmen wie Wiederaufforstung, Bodenverbesserung oder Abfallreduktion ein. Trainings und partizipativer Austausch stärken dabei das Bewusstsein für ökologische Zusammenhänge und ihre Bedeutung für langfristig wirksame Projekte.

