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18/05/2015

Frauen in Ruanda – der Blick über den Tellerrand

Frauen in Ruanda – der Blick über den Tellerrand

Frauennotruf Mitarbeiterin nutzte private Reise zum Austausch über Gewalt an Frauen in Ruanda

Zum fünften Mal reiste die Anette Diehl ins rheinland-pfälzische Partnerland Ruanda und wie immer verknüpfte sie die private Reise mit ihren beruflichen Tätigkeiten als Mitarbeiterin im Frauennotruf Mainz, der Fachstelle zum Thema Sexualisierte Gewalt in der Landeshauptstadt.

Die erste Reise in 2004 war eine ehrenamtliche Frauenbildungsreise, organisiert vom rheinland-pfälzischen Ruanda-Referat im Innenministerium. Die folgenden privaten Reisen nutzte die Fachfrau immer wieder um am Rande auch den Austausch zum Thema (Sexualisierte) Gewalt an Frauen zu pflegen.

„Es gibt keine spezialisierte Fachstelle zum Thema Sexualisierte Gewalt für erwachsene Frauen in Ruanda, sehr wohl aber unterschiedliche Angebote für Gewalt an Frauen in Partnerschaften bzw. zum Thema Sexueller Missbrauch. Auch kommt das Thema in unterschiedlichen Angeboten zur Sprache,“ fasst Diehl die Gespräche mit Kolleginnen vor Ort zusammen. Die Psychologin Thérèse Uwitonzet von der Mental Health Dignity Foundation in Huye zum Beispiel leitet eine Selbsthilfe-Gruppe für psychisch kranke Menschen, in der auch eine vergewaltigte Frau über das Geschehene mit anderen sprechen kann.


 

Ein weiteres Treffen fand in Kigali in der Räumen der HOPE-Foundation statt, eine Nicht-Regierungs-Organisation die unter anderem auch Angebote zu Gewalt gegen Frauen in Partnerschaft macht.

Die sog. „Schlüsselsätze“ aus deren Fortbildungsunterlagen von Mitbegründerin Violette Dusabimana machen deutlich: Die Dunkelziffer bei Gewalt an Frauen in Ruanda ist immens hoch und die Betroffenen brauchen Unterstützung, um über das Erlebte zu sprechen. Und weiter: „Trotz der Fortschritte der Regierung in der Bekämpfung von Gewalt an Frauen benachteiligen die bestehenden sozialen Normen und Traditionen die Frauen im sozio-ökonomischen Bereich. Weiterhin verhindert das erhebliche Stigma und die Diskriminierung, die mit den Themen Vergewaltigung und Gewalt in Partnerschaft einhergehen, eine offene Debatte über Gewalt an Frauen in der ruandischen Gesellschaft.“

„Diese Sätze könnten auch von uns sein und die Lage in Deutschland beschreiben,“ weiß Heike Simon, ehrenamtliche Notrufmitarbeiterin und zuständig für die Korrespondenz mit den Kolleginnen in Ruanda. „Auch hier bei uns wird das Thema immer noch tabuisiert, negiert, bagatellisiert. Auch hier sind viele Frauen vom Täter finanziell abhängig und fürchten, dass ihnen die Schuld übertragen wird.

Der Frauennotruf blickt seit Jahren über „den deutschen Tellerrand“, um sich über Problemlösungsstrategien und Handlungskonzepte auszutauschen. Der Kontakt zum Verein Partnerschaft Rheinland-Pfalz-Ruanda mit seinem Koordinationsbüro in Kigali ist dabei sehr hilfreich. Hier werden sog. „Graswurzelpartnerschaften“ auf Augenhöhe unterstützt. Auch Besuche wie der bei Antoinette Makuta vom Ineza-Kabaya-Zentrum für Kinder mit Behinderung bei Ngororero.


 

Der engste Kontakt den Anette Diehl gemeinsam mit ihrem Mann Dr. Christian Lenhart in Ruanda pflegt, ist der zum mittlerweile 26-jährigen Patenkind Fideline. Aus der ehemaligen Schulpatenschaft des Ruanda-Referats ist eine intensive Beziehung entstanden. (Verantwortlich: Anette Diehl)

Frauennotruf Mainz e.V.
Fachstelle zum Thema Sexualisierte Gewalt

Koordinierungsstelle der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG)
Kaiserstr.59-61
55116 Mainz
Tel.: 06131 / 22 12 13
www.frauennotruf-mainz.de

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